MÄLKAM ADDIS AMÄT - Happy New Year – oder, ein gutes, neues Jahr
„Es ist nicht zu fassen, wie die Zeit vergeht!“ Wie oft ich diesen Satz nun auch schon geschrieben oder gesprochen habe! Es ist wirklich unglaublich. Kaum waren wir in Deutschland, knapp 8 Wochen, eine lange Zeit möchte man meinen und dann war es vorbei, mit einem Wimpernschlag. Von Erholung konnte man in diesen 8 Wochen nicht sprechen. Aber, wir haben viel geschafft in unserem zukünftigen Heim, in dem wir leben, wenn wir endgültig aus Äthiopien zurückkehren! Ohne die Hilfe von unseren lieben Verwandten und Freunden wäre es nicht möglich gewesen. Wir danken euch herzlich dafür, dass ihr Euch die Zeit für uns genommen habt, den tollen Arbeitseinsatz, die Professionalität und Disziplin, die ihr immer mitgebracht habt. Auch wenn diese intensiv gelebte Zeit sehr anstrengend und oft auch nervenaufreibend war, haben sich die Bilder von den ausgelassenen Feiern, den Wanderungen, Ausflügen und sonstigen Freizeitaktivitäten (welche leider ein bisschen kurz gekommen sind) tief im Kopf festgesetzt. Sie werden unvergessen bleiben.
Nach einigen Ungereimtheiten mit unserem Vermieter im letzten Schuljahr und nach einigen glücklichen Umständen sind wir hier in Äthiopien umgezogen. Uns wurde das alte Haus gekündigt, weil wir den Parkplatz zur Küche umfunktionierten, das hat einen negativen Einfluss auf die Schönheit und Sauberkeit des Hauses – wir grillten! Zum Zweiten haben wir ohne das Wissen des Vermieters Lampen im Haus gewechselt. Ja, das stimmt – wir haben die vorhandenen kaputten Lampen getauscht. Und der dritte Grund war, dass wir Nägel in die Wand geschlagen haben. Ja, auch das ist richtig – wir hatten Bilder aufgehängt. Zum Schluss war er ganz traurig, weil wir die Kündigung angenommen haben. Er wollte uns eigentlich nicht herausekeln, er wollte doch nur ein bisschen mehr Geld – eine Mieterhöhung um 67 %.
Kurz vor den Sommerferien durften wir in ein Haus mit großem Grundstück ziehen. Dieses bewohnte vorher eine befreundete Familie, welche zurück nach Deutschland gegangen ist. Der neue Vermieter macht einen netten und korrekten Eindruck.
Jetzt sind wir schon wieder gut 4 Wochen in Addis Abeba. Direkt nach unserer Ankunft standen wir vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen. Die Regenzeit setzt Land und Menschen ganz schön zu. Der Anblick der vielen Menschen, die auf der Straße leben, war wieder erschreckend.
In unserem Garten hat es einen sehr großen Baum entwurzelt. Dieser lag zum Glück quer im Garten und nicht auf unserem Haus. Bei zahlreichen schweren Unwettern mit viel Hagel, sind zwei weitere Bäume umgeknickt. Sie begruben einen Teil der Grundstücksmauer und das Toilettenhäuschen unserer äthiopischen Nachbarn unter sich. Das Dach unseres Hauses wurde undicht und es regnet in den Wandschrank. Einige Wasserrohre, Schläuche im Sanitärbereich, sowie der Toilettendeckel, der Waschmaschinenzuflussschlauch waren kaputt, die Toilette verstopft, die Flöhe fanden uns schnell … und so kommt eines zum anderen. Strom, Telefon und Internet stehen zeitweise nicht zur Verfügung. Einen Streit unter unseren Guards konnten wir einigermaßen schlichten. Einer hatte sich bei uns beschwert wie faul und verrückt der andere ist. Ich glaube, sie wissen nun beide wieder, was wir von ihnen erwarten und jetzt läuft es ganz gut.
Mit dem neuen Haus haben wir auch zwei Hunde von unseren Vormietern übernommen. Eine Hündin, namens Biggi und einen Rüden, namens Fritz. Jetzt haben wir drei Hunde, Tessi, Biggi und Fritz. Die Hundedamen verstehen sich auch nach 13 Wochen des Zusammenlebens leider nicht. Es gibt immer noch starke und leider auch blutige Kämpfe zwischen Biggi und Tessi. Fritz ist ziemlich entspannt und sieht im Gegensatz zu den Damen gut aus. Der Tierarzt war da. Biggi wird nun mit Antibiotikum, Vitamintabletten, sowie einer Lotion wieder aufgepäppelt. Tessi wird demnächst sterilisiert.
Yannick ist nun stolzer 1.-Klässler. Er geht gern in die Schule. Eine große Umstellung ist es dennoch für ihn. Er hat sieben Stunden pro Tag Unterricht und bekommt eine ganze Menge Hausaufgaben auf. Ich bin froh, dass wir ihn intensiv betreuen und unterstützen können.
Luisa und ihre Freundin Meret sind momentan leidenschaftliche Fußballerinnen. Sie behaupten sich gut zwischen den Jungs der Vor- und Grundschule.
Die Regenzeit ist nach wie vor im vollen Gange. Es ist grau, kalt und sehr nass. Die Kleidung ist meistens klamm und im Grunde genommen sind wir ständig unterkühlt. Kein Wunder, dass jeder von uns schon die erste mittelschwere Erkältung hinter sich hat. Das Feuerholz ist nass und so dauert es immer lang, bis das Feuer im Kamin lodert. Aber wenn es einmal an ist :-) - es gibt nichts Gemütlicheres.
Eine echte Bereicherung für alle Ferenji, die in Addis Abeba leben, sind die Backwaren von Alex Münch. Seine Frau Brigitte und er konnten nun fast ein Jahr nach ihrer Einreise ins Land endlich den Backofen anheizen. Deutsches Brot, Brötchen, Knauzen, Pudding-, Apfel-, Aprikosentaschen und Laugenbrezel sind echte Renner und verwöhnen seit letzter Woche unsere Gaumen.
In Addis Abeba selbst hat sich kaum etwas verändert. Im Gegenteil, einiges hat sich meiner Meinung nach verschlechtert. Auch die vielen bunten Lichterketten an den Straßenlaternen und Häusern, das große Millenniums – Feuerwerk, sowie die leidenschaftliche Glaubenshingabe ändern nichts an der Tatsache, dass es vielen Menschen beschissen geht. Vor den Ferien hatte man das Gefühl, es wird echt heran geklotzt, die Stadt schön hergerichtet, die Straßen gebaut … . Zur großen Millenniumsfeier sollte alles fertig sein. Nun, von den vielen Gebäuden die aus dem Boden empor wuchsen, befinden sich viele nach wie vor im Rohbau. Der Straßenneubau ist scheinbar völlig zum Erliegen gekommen. Man munkelt, zwischen den Chinesen, welche die Straßen bauen sollten, und den Äthiopiern habe es Streit gegeben. Angeblich kritisierten die Chinesen die mangelnde Kompetenz und Arbeitsbereitschaft der äthiopischen Arbeitskräfte, daraufhin waren die Äthiopier beleidigt und eingeschnappt. Das sind die Gerüchte. Fakt ist, dass seit Anfang 2007 ein riesiges Straßenneubauprojekt lief. Viele Häuser wurden deshalb abgerissen, viele Straßen aufgerissen, Grundlagen für neue, breite Straßen, sowie viele Kreisel und Kreuzungen wurden gelegt. Einige Straßenabschnitte wurden sogar bereits asphaltiert. Und jetzt? – nach unseren Beobachtungen ruhen die Bauarbeiten. Der Verkehr wühlt sich durch Schlamm, weil die Straßen nicht mehr existieren. Der zum Teil neue Asphalt, welcher an einigen Stellen aufgetragen wurde, hat schon wieder Risse, bzw. die Straßendecke hat Schlaglöcher, weil Anschlussstellen nicht fertig sind und die neuen Straßen bereits vom Regen unterspült wurden.
Interessant war das Treiben vor der großen Millenniumsfeier. Unsere Angestellten standen mit leeren 2-Liter-Plastikflaschen, sowie unseren Tupperware-Dosen letzten Samstag im Regen. Genau an dem Tag war das Regenwasser heilig und sie fingen es auf, um es später zu trinken und sich damit zu waschen. Ich gebe zu, die fast kindliche Freude von Alem und Tefera über den Regen und „dass nun alles gut wird“, war ansteckend. Die Tage vor dem 11.09. waren chaotisch. Die Supermärkte und Straßen waren voll. Es war schon vergleichbar mit Weihnachtseinkäufen, bzw. Einkäufen zwischen Weihnachten und Neujahr in Deutschland. Die ganze Stadt war voll mit Verkehrs- und Schutzpolizei. Die Absicht, den Verkehr zu regeln, war sicher gut. Am Ende kam der Verkehr jedoch zeitweise völlig zum Erliegen, weil von den 3 bis 5 Polizisten pro Kreuzung, jeder etwas anderes anzeigte. Dann stand man halt in einem wilden Durcheinander bestehend aus Autos, Rindern, Schafen, Eseln und Menschen. Einen kleinen Unfall hatten wir in der Zeit auch. Uns ist jemand hinten ins Auto gefahren. Wer Schuld hat, weiß niemand. Die Prozedur mit Polizei vor Ort, sowie auf der Polizeistation war lästig und den Schaden bezahlen wir. Die Silvesternacht verbrachten wir bei Lehrerkollegen und genossen um Mitternacht mit Wunderkerzen das schöne Feuerwerk. Heute herrschte Katerstimmung. Die Tage vom Dienstag bis zum Sonntag wurden zu Feiertagen erklärt. Nicht für uns, aber für die Äthiopier. Dass viele gut gefeiert haben, konnte man heute unter anderem daran erkennen, dass viele „leere“ Schafe, ich meine Schaffelle, verkauft wurden.
Mälkam Addis Amät!
Susanne, 13.09.2007














